WCAG · Automatisierung vs. Experten-Prüfung · Ehrliche Einordnung
WCAG-Scanner vs. manuelles Audit: Was findet was — und was lohnt sich für wen?
Automatisierte WCAG-Scanner erkennen zuverlässig etwa 30–50 % der prüfbaren Erfolgskriterien — Kontraste, fehlende Alt-Texte, Formular-Labels, Tastatur-Fokus. Den Rest kann nur ein Mensch bewerten: ob ein Alt-Text sinnvoll ist, ob Fehlermeldungen verständlich sind, ob die Bedienlogik stimmt. Für die meisten KMU-Websites ist der Scanner der effiziente erste Schritt; das manuelle Audit ist die Vertiefung bei komplexen Abläufen.
Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2026 · Technische Einordnung, keine Rechtsberatung
Was findet ein automatisierter Scanner zuverlässig?
Automatisierte Prüf-Engines wie axe-core (die technische Basis unseres Scanners) prüfen den gerenderten Code einer Website gegen ein festes Regelwerk. Zuverlässig erkennen sie Muster, die sich objektiv messen lassen:
- Farbkontraste unter den geforderten Schwellen (WCAG 1.4.3, mindestens 4,5:1 für normalen Text)
- Fehlende Alternativtexte bei Bildern (WCAG 1.1.1 — technisch vorhanden oder nicht)
- Formularfelder ohne verknüpfte Beschriftung (WCAG 3.3.2, 4.1.2)
- Tastatur-Fallen und fehlende Fokus-Indikatoren (WCAG 2.1.1, 2.4.7)
- Fehlende Sprach-Angaben, fehlerhafte Überschriften-Struktur, leere Links und Buttons (WCAG 3.1.1, 1.3.1, 2.4.4)
Unser Scanner prüft gegen über 80 Regeln nach WCAG 2.1 AA / EN 301 549 — genau die Kategorien, aus denen auch die beanstandeten Punkte der dokumentierten Abmahnwelle vom Februar 2026 stammten (fehlende Alt-Texte, Kontrastfehler, leere Links; dokumentiert von KBM Legal, Stand 23.02.2026).
Was findet kein Scanner der Welt?
Hier sind wir radikal ehrlich, weil es Ihr Vertrauen verdient: Kein automatisiertes Werkzeug — unseres eingeschlossen — kann die folgenden Punkte zuverlässig bewerten:
- Ob ein Alt-Text inhaltlich sinnvoll ist. „Bild von“ oder der Dateiname IMG_4521.jpg sind technisch vorhandene Alt-Texte — und praktisch wertlos.
- Ob Fehlermeldungen verständlich sind. Ein Screenreader liest „Fehler 42“ vor; ein Mensch bewertet, ob die Meldung zur Lösung führt.
- Ob die Bedienlogik aufgeht. Mehrstufige Checkouts, individuelle Filter, Custom-Player: erst ein Mensch mit Screenreader und Tastatur erlebt, ob der Ablauf funktioniert.
- Ob Sprache verständlich ist. Verschachtelte Sätze und Fachjargon sind ein WCAG-Thema (3.1.5) — und eine menschliche Bewertung.
- PDF-Inhalte im Detail. Ob ein Dokument korrekt getaggt ist und die Lesereihenfolge stimmt, erfordert Werkzeug plus Prüfung von Hand.
Woher kommt die Zahl „30–50 Prozent“?
In der Barrierefreiheits-Fachwelt ist Konsens, dass automatisierte Werkzeuge nur einen Teil der WCAG-Erfolgskriterien zuverlässig prüfen können; als Korridor werden üblicherweise 30–50 % genannt (Branchen-Konsens aus Fachliteratur und Anbieter-Dokumentationen, Stand Juli 2026). Die Spanne erklärt sich aus der Zählweise: Gemessen an rein automatisiert prüfbaren Regeln liegt die Abdeckung höher, gemessen an allen 50 Kriterien des WCAG-2.1-AA-Niveaus deutlich niedriger. Jeder Anbieter, der eine vollständige automatisierte Prüfung verspricht, sagt Ihnen nicht die ganze Wahrheit — das gilt für Auto-Fix-Widgets genauso wie für Scanner.
Was kostet Scanner, was kostet Audit?
| Ansatz | Typische Kosten | Was Sie bekommen | Grenze |
|---|---|---|---|
| Gratis-Tools (WAVE, axe DevTools, Lighthouse) | 0 € | Rohdaten ohne Priorisierung | Auswertung erfordert Accessibility-Know-how |
| Automatisierter Report mit menschlicher Sichtung (BFSG-Fuchs) | 129 € / 399 € einmalig | Priorisierte Befunde, Fix-Hinweise mit Code-Snippets, Entwurf der Barrierefreiheitserklärung; ein Mensch sichtet vor Auslieferung | Deckt die automatisiert prüfbaren 30–50 % ab, kuratiert |
| Manuelles Experten-Audit | 1.500–5.000 € | Nahezu vollständige Prüfung inkl. Screenreader-Tests, komplexer Flows | Vorlauf von Wochen, höherer Preis |
Ausführliche Marktpreise: Was kostet eine BFSG-Prüfung? · Vergleich der Prüf-Engines: axe vs. Lighthouse vs. WAVE
Für wen lohnt sich welcher Weg?
- KMU-Website oder Shop mit üblichen Seitentypen (Startseite, Kategorie, Produkt, Formular): Scanner mit menschlicher Sichtung als Dokumentation und Fix-Plan — das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Komplexe Anwendung (mehrstufiger Checkout, individuelle Interaktionen, hohe Nutzerzahlen): Scanner zuerst für die Breite, manuelles Audit für die kritischen Flows dahinter.
- Nach einer Abmahnung oder bei laufendem Verfahren: Fachanwalt plus technische Dokumentation; ein vollständiges manuelles Audit kann hier die angemessene Vertiefung sein — und wir sagen Ihnen das, obwohl wir es nicht verkaufen.
Warum kommunizieren wir die Grenze offen?
Weil Vertrauen unser einziges dauerhaftes Wettbewerbsmerkmal ist. Die FTC-Strafe gegen den Overlay-Anbieter accessiBe (Januar 2025) hat gezeigt, wohin übertriebene Automatisierungs-Versprechen führen. Wir versprechen deshalb keine „vollständige Konformität“, sondern liefern das, was seriös lieferbar ist: eine automatisierte technische Analyse nach WCAG 2.1 AA mit menschlicher Sichtung vor Auslieferung — und die klare Aussage, welchen Rest nur ein Mensch prüfen kann. Messen Sie jedes Versprechen jedes Anbieters an dieser technischen Realität. Auch unseres.
Sehen Sie selbst, was der Scanner findet
Der kostenlose Sofort-Check von BFSG-Fuchs prüft Ihre Startseite in ca. 60 Sekunden gegen über 80 WCAG-2.1-AA-Regeln — ohne Anmeldung. Sie erhalten echte Befunde statt Werbeversprechen.
Häufige Fragen zu Scanner und Audit
Wie viel Prozent der WCAG-Kriterien findet ein automatisierter Scanner?
Zuverlässig etwa 30–50 % — Kontraste, Alt-Texte, Formular-Labels, Tastatur-Fokus und ähnlich objektiv messbare Muster (Branchen-Konsens, Stand Juli 2026). Inhaltliche Bewertungen wie sinnvolle Alt-Texte oder verständliche Fehlermeldungen erfordern einen Menschen.
Reicht ein automatischer Scan für das BFSG aus?
Für die technische Dokumentation der häufigsten Mängel und einen priorisierten Fix-Plan ja — das ist der effiziente erste Schritt. Eine vollständige Prüfung aller WCAG-Kriterien und die rechtliche Bewertung ersetzt kein Scanner; dafür braucht es manuelle Prüfung bzw. einen Fachanwalt.
Was bedeutet „menschliche Sichtung“ bei BFSG-Fuchs konkret?
Vor der Auslieferung liest ein Mensch jeden Report quer: False Positives werden entfernt, Befunde nach Risiko priorisiert und die Fix-Hinweise auf Verständlichkeit geprüft. Sie erhalten keine Rohdaten-Wüste, sondern eine kuratierte, datierte Dokumentation.
Wann brauche ich ein manuelles Audit für 1.500 € oder mehr?
Bei komplexen, mehrstufigen Interaktionen (individuelle Checkouts, Custom-Player), nach einer Abmahnung oder wenn Nutzer mit assistiven Technologien zu Ihrem Kernpublikum gehören. Für die meisten gewachsenen KMU-Websites ist der automatisierte Report mit Sichtung der realistischere Einstieg.
Sind Auto-Fix-Widgets eine Alternative?
Overlay-Widgets, die Darstellung zur Laufzeit verändern, sind in der Fachwelt umstritten: Strukturelle Mängel im Quellcode beheben sie nicht vollständig, und die FTC-Strafe gegen accessiBe (Januar 2025) hat die Risiken überzogener Werbeversprechen gezeigt. Ob ein konkretes Widget hilft, ist eine Einzelfallprüfung — eine Behebung an der Ursache ersetzt es nicht.
