Zum Hauptinhalt springen
BFSG seit 28.06.2025 in Kraft · erste Abmahnungen rollen an der Fuchs prüft kostenlos

BFSG · Webagenturen · Partner

BFSG für Webagenturen: Pflichten, typische Mängel und das Geschäftsmodell dahinter

Seit dem 28.06.2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz — und damit landet das Thema auf dem Tisch jeder Agentur, die Websites und Shops für Kunden betreibt oder gebaut hat. Dieser Artikel ordnet ein, wer wofür verantwortlich ist, welche Mängel in Agentur-Projekten am häufigsten auftauchen und wie aus der Pflicht eine wiederkehrende, kalkulierbare Leistung wird.

Stand: Juli 2026 · Automatisierte technische Analyse, keine Rechtsberatung

Die Ausgangslage: Kundenwebsites sind betroffen, Agenturen mittendrin

Das BFSG richtet sich an Wirtschaftsakteure, die Produkte oder Dienstleistungen im Anwendungsbereich anbieten — im E-Commerce vor allem Webshops, die Verbrauchern Waren oder digitale Leistungen verkaufen. Adressat ist damit im Regelfall der Website-Betreiber, also der Kunde der Agentur. Trotzdem sitzt die Agentur mittendrin: Sie hat die Seite gebaut, sie betreut sie, und der Kunde erwartet, dass „seine Agentur das regelt“.

Der Druck ist real: Die Marktüberwachungsstelle der Länder (MLBF) in Magdeburg arbeitet seit 26.09.2025 und verzeichnete bis Juni 2026 fast 700 Meldungen. Parallel laufen seit Herbst 2025 private Abmahnwellen — die Fachwelt hält viele davon für angreifbar, aber jedes Schreiben erzeugt beim Kunden eine dringende Anfrage an die Agentur. Wer dann nur mit Achselzucken antworten kann, verliert Vertrauen. Wer einen Prüf- und Behebungs-Workflow parat hat, gewinnt ein Projekt.

Zur vertraglichen Seite (Gewährleistung, Nachbesserungspflichten für Bestandsprojekte, Leistungsbeschreibung neuer Projekte) gilt: Das ist Anwaltsterrain. Jede Agentur sollte ihre Vertragslage einmal sauber mit einem Fachanwalt für IT-Recht durchgehen — dieser Artikel behandelt die technische und operative Seite.

Typische Mängel in Agentur-Projekten

Erfahrungswerte aus axe-core-/WCAG-Audits zeigen wiederkehrende Muster — unabhängig davon, ob das Projekt auf Shopify, WooCommerce, Shopware oder einem Custom-Stack läuft:

  • Design-System-Erbe: Unzureichende Kontraste bei Sekundär-Texten, Preisen und Badges (WCAG 1.4.3 verlangt mindestens 4,5:1 für normalen Text) — oft direkt aus dem Styleguide des Kunden übernommen.
  • Komponenten ohne Tastatur-Support: Slider, Dropdown-Navigationen und Modals ohne Fokus-Management, ARIA-Attribute oder mit Tastatur-Traps (WCAG 2.1.1 / 2.1.2).
  • Formulare mit Platzhalter statt Label: Suchfelder und Checkout-Inputs, deren einzige Beschriftung beim Tippen verschwindet (WCAG 1.3.1 / 3.3.2).
  • Bilder-Pipelines ohne Alt-Text-Pflege: CMS-Uploads, bei denen das alt-Attribut leer bleibt oder den Dateinamen enthält (WCAG 1.1.1).
  • Fehlende Barrierefreiheitserklärung: Die Erklärung gemäß § 15 BFSGV mit Konformitätsstatus, bekannten Mängeln, Feedback-Mechanismus und Schlichtungsstellen-Kontakt fehlt auf den meisten Bestandsseiten komplett.

Der Agentur-Workflow: Scan → Report → Umsetzung → Re-Check

Barrierefreiheit lässt sich als vierstufiger, wiederholbarer Prozess in den Agentur-Alltag integrieren:

  • 1. Bestandsaufnahme pro Kunde: Automatisierter WCAG-2.1-AA-Scan der wichtigsten Seiten. Ergebnis: priorisierte Mängelliste als Gesprächsgrundlage für das Kunden-Angebot.
  • 2. Report als Deliverable: Ein strukturierter PDF-Report mit Fix-Hinweisen und Barrierefreiheitserklärungs-Entwurf — lesbar für den Kunden, konkret genug für die eigenen Entwickler.
  • 3. Umsetzung als Projekt: Die Behebung ist klassische Agentur-Arbeit: Templates anpassen, Komponenten nachrüsten, Prozesse fürs Content-Team (Alt-Texte!) etablieren. Je nach Mängel-Dichte 10–80 Entwicklerstunden.
  • 4. Re-Check und Pflege: Nach der Umsetzung dokumentiert ein erneuter Scan den Fortschritt. Bei laufenden Betreuungsverträgen passt ein wiederkehrender Check (z. B. monatlich) als Baustein der Wartungspauschale.

Rechnen statt raten: Einkauf und Marge

Ein eigenes Accessibility-Team lohnt sich für die wenigsten Agenturen. Der pragmatische Weg: Scans und Reports einkaufen, Beratung und Umsetzung selbst leisten. Der Basis-Report kostet 129 € (bis zu 5 Unterseiten), der Profi-Report 399 € (bis zu 25 Unterseiten, Umsetzungs-Fahrplan, 30 Tage E-Mail-Support), Cookie-Checks gibt es ab 39 €. Ab 5 Reports pro Monat sind Staffelkonditionen über das Partnerprogramm möglich — die Umsetzungsstunden und die Kundenbeziehung bleiben komplett bei der Agentur.

Erstes Kundenprojekt kostenlos anprüfen

Der kostenlose Sofort-Check liefert in ca. 60 Sekunden einen ersten Überblick über kritische WCAG-2.1-Mängel — ideal, um beim nächsten Kunden-Jour-fixe mit konkreten Befunden statt Allgemeinplätzen zu sprechen.

Häufige Fragen von Agenturen

Haftet die Agentur, wenn die Kundenwebsite die BFSG-Anforderungen nicht erfüllt?

Adressat des BFSG ist der Wirtschaftsakteur, der das Produkt oder die Dienstleistung anbietet — im Regelfall also der Betreiber der Website. Ob und in welchem Umfang eine Agentur vertraglich einstehen muss (etwa aus Werkvertrag oder zugesicherten Eigenschaften), hängt vom Einzelfall und den Vereinbarungen ab. Diese Frage sollte jede Agentur mit einem Fachanwalt für IT-Recht klären und in ihren Verträgen sauber regeln.

Müssen Bestandsprojekte nachgerüstet werden?

Das BFSG gilt seit dem 28.06.2025 für Angebote im Anwendungsbereich — unabhängig davon, wann die Website gebaut wurde. Für Betreiber betroffener Websites stellt sich also nicht die Frage ob, sondern wie priorisiert nachgerüstet wird. Ein automatisierter Scan pro Bestandsprojekt schafft schnell eine belastbare Entscheidungsgrundlage.

Wie viel Accessibility-Wissen braucht mein Team, um Reports anzubieten?

Für die Auslieferung eines automatisierten Reports mit priorisiertem Fix-Plan: wenig — die Befunde enthalten konkrete Lösungshinweise. Für die Umsetzung reicht solides HTML/CSS/ARIA-Grundwissen, das die meisten Frontend-Entwickler mitbringen. Manuelle Screenreader-Audits für komplexe Projekte bleiben Spezialisten vorbehalten.

Gibt es Konditionen für Agenturen mit vielen Kunden-Websites?

Ja. Ab 5 Reports pro Monat gibt es eine individuelle Staffel über das Partnerprogramm. Sie schicken die ungefähre Anzahl Ihrer Kunden-Websites und erhalten ein konkretes Angebot — Details auf der Partner-Seite.

Reicht ein automatisierter Report für die BFSG-Dokumentation des Kunden?

Ein automatisierter Report mit menschlicher Sichtung deckt rund 30–50 % der WCAG-Mängel ab und liefert Fix-Plan plus Entwurf der Barrierefreiheitserklärung — eine solide, dokumentierte Grundlage. Er ist keine Zusicherung rechtlicher Anforderungserfüllung. Bei komplexen Interaktionen (mehrstufiger Checkout, Custom-Player) sollte zusätzlich ein manuelles Audit mit Screenreader-Tests eingeplant werden.

Weiterführende Themen